Strohfeuer : Inhalt

Länge: 101 Min. Format: 35mm Farbe

Uraufführung (IT): Sep 1972, Venedig, IFF; Kinostart (DE): 01.11.1972, München, Arri; TV-Erstsendung (DE): 02.11.1972, ARD

Preise:
Deutscher Kritikerpreis 1972
IFF Chicago 1973 (Golden Hugo)
Brüssel 1973 (Prix Femina)
IFF Karlovy Vary 1974 (Preis der Werktätigen)


Der Film beginnt mit einer Scheidung, die wie eine Befreiung aussieht und endet mit einer Hochzeit, die eine Kapitulation bedeutet.

Elisabeth (Margarethe von Trotta) glaubt, nach ihrer Flucht aus der Ehe frei zu sein. Bis jetzt war sie Nur-Hausfrau, an Haus und Familie gebunden, isoliert und abhängig. An ihre neuerworbene Freiheit knüpft sie die mannigfaltigsten Erwartungen: sie will selbständig sein, lieber sich selbst bestimmen, andere Menschen außerhalb ihres geschlossenen privaten Bereichs kennen lernen, eine sinnvolle Tätigkeit ausüben, die ihre ganze Persönlichkeit fordert. Sie glaubt, von nun an ihr Leben nach ihrem ganz persönlichen Ausdruck und Willen gestalten zu können.

Dazu geht sie zunächst auf Arbeitssuche. Aber eine Arbeit, die ihre Erwartungen erfüllen könnte, gibt es nicht. Nicht in den vorgegebenen Berufsmustern, nicht für eine Frau von beinahe 30. Ihre Ausbildung vor ihrer Ehe war nur unzureichend und das wenige, was sie gelernt hat, (Fremdsprachen und Schreibmaschine) hat sie in der Zwischenzeit fast vergessen. Also ist sie auf Jobs angewiesen. Zumal sie einen vierjährigen Sohn hat, den sie liebt und aufziehen will. So arbeitet sie nacheinander als Messehostess und als Verkäuferin in einem Pelzgeschäft. Schließlich findet sie - über einen ihr wohlgesonnenen Mann -eine Stelle in einer Kunstgalerie. Die Arbeit gefällt ihr, sie führt sie sogar bis nach Italien. Aber bald erkennt sie, dass ihre neue Tätigkeit mehr mit Handel als mit Kunst zu tun hat, dass sie außerdem für ihren Chef nur Freiwild ist. Sie geht wieder und endet als Tippse in einem Großraumbüro.

Die Befreiung, die ihr die Arbeit nicht bietet, sucht sie nun in der Verwirklichung eines Kindertraumes: sie will tanzen und singen. Mit anderen jüngeren Mädchen, die tagsüber im Büro arbeiten, dabei von Fred Astaire und Ginger Rogers träumen und wenn sie gut genug sind, nach Amerika gehen wollen, lernt Elisabeth Stepptanz. Gleichzeitig lernt sie singen.

Im Kampf um das Sorgerecht für ihr Kind werden ihr alle Emanzipationsversuche zum Nachteil ausgelegt und gegen sie benutzt. Mit Mutterpflichten und Mutterliebe sind sie in den Augen unserer Gesellschaft nicht vereinbar. Sie muss fürchten, dass das Kind ihr abgesprochen wird.

Am Ende nimmt sie in einem Moment völliger Verzweiflung das Heiratsangebot des ersten Mannes, dem sie nach ihrer Scheidung begegnet war an und flüchtet sich zurück in die Obhut des Mannes und der Familie.

Ihr Emanzipationswille, ihre Empörung gegen die bestehenden Zustande waren eben nur ein Strohfeuer, hält die Anwältin Elisabeth vor.

Die Nur-Gleichberechtigung lehnt Elisabeth ab. Sie ist sich ihrer Situation bewusst geworden, ihre Empörung ist kein Strohfeuer - es wird weiterbrennen, auch in der neuen Ehe.