Krieg und Frieden : Inhalt

Länge: 123 Min. Format: 16mm + 35mm + Video - kopiert auf 35mm

TV-Erstausstrahlung (DE): 16.11.1987, ZDF; Auffrührung (DE): 29.10.2008, Hof, Filmtage


Der Kollektivfilm "Krieg und Frieden" hat Tolstois Epik im Sinn und Deutschland, die Knautschzone Europas im Visier der Kamera, d. h. es geht sowohl um historische als auch hautnahe Perspektiven zu einem alten und aktuellen politischen Thema.

Der Film wurde in den Jahren 1980 bis 1982 gedreht. Anlass war die bevorstehende NATO-Nachrüstung mit Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II.

Stefan Aust dokumentiert, wie es dazu kam, informiert über die Overkill-Waffensysteme und beschreibt Hattenbach, ein Dorf an der deutsch-deutschen Grenze, das in den Planspielen der Supermächte schon heute "ground zero", also atomares Explosionsziel ist.

Wie verhalten sich die da oben und die da unten, Regierende und Regierte, angesichts der atomaren Bedrohung? Politische Willensäußerung an der Basis filmten Alexander Kluge und Volker Schlöndorff bei der Friedensdemonstration in Bonn, Axel Engstfeld bei der öffentlichen Vereidigung von Bundeswehrrekruten. Schlöndorff beobachtete dann das Gipfelgespräch von neun Regierungschefs in Versailles, wo Frieden verhandelt wurde, während ein neuer Krieg im Libanon ausbrach. Diese Polit-Schau kommentiert Schlöndorff mit satirischen Bildern, die zerschossenen Straßenzüge Beiruts mit Wut und Trauer.

Wie ein paar übrig gebliebene Menschen sich verhalten, nachdem die Erde durch einen Atomschlag unbewohnbar gemacht worden ist, hat Heinrich Böll in den Kurs-Szenen "Gespräche im Weltraum", "in einem Atombunker" und "Kill your sister" dramatisiert.

Alexander Kluge kommt in der Szene "Vom Standpunkt der Infanterie", die er geschrieben und inszeniert hat, durch energische Versachlichung des Ernstfalles zu einer erstaunlichen Konsequenz.

In anderen Passagen des Films stellt Kluge die Evolution der Menschheit, immerhin 4 Milliarden Jahre unterwegs, dem entgegen, was in den letzten 150 Jahren an Rüstung hin-zugekommen ist. Seine Assoziationsketten aus Bildern und Texten zum Thema Krieg und zum Thema Frieden mobilisieren vorhandene Erfahrungen, Gefühle und Phantasie gegen die vielzitierte Angst vor dem Untergang.

Bildmaterial aus Wochenschau- und Fernseharchiven im In- und Ausland, vom Pentagon und dem russischen Verteidigungs-ministerium und aus klassischen deutschen Stumm- und Tonfilmen ergänzen das breite Spektrum des Kollektivfilms "Krieg und Frieden".