Die Geschichte der Dienerin : Pressestimmen

Länge: 108 Min. Format: 35mm Farbe

Uraufführung: 10.02.1990, Berlin, IFF (FBW "besonders wertvoll"); Kinostart (DE): 15.02.1990; TV-Erstausstrahlung (DE): 17.06.1992


Spiegel 08.07.1990

Von Hellmuth Karasek

Ein Blick ins künftige Glück

"... "Die Geschichte der Dienerin" hat die Tugenden Amerikas, Weltläufigkeit und vor allem eine stupende Professionalität, ohne sich dafür die Laster des Neuen Hollywood, Oberflächlichkeit und lärmende Gigantomanie, einzuhandeln. Der feministische Alptraum träumt im Morgen des Heute. Schlöndorffs Film (Drehbuch: Harold Pinter, der sich in den Folterkammern menschlicher Beziehungen nur zu gut auskennt) erzählt die Geschichte einer Gebär-Dienerin, die in das Haus des Militärkommandanten kommt,... Dieser Kommandant ist von Robert Duvall mit einer umwerfenden Ironie gespielt ... Seine Frau (Faye Dunaway) ist die Matrone, die der strikten Unlustverordnung ihre häusliche Herrschaft verdankt: der (hysterisches) Fleisch gewordene, personifizierte amerikanische Hausfrauenverband ...

Hinter der Oberfläche einer 'Brave New World' werden die verqueren Bedingungen sichtbar, unter denen das geschlechtliche Zusammenleben in den Wohlstandsreservaten des American Way of Life stattfindet."

AZ-feuilleton 20.02.1990

Von Carna Zacharias

Gespräch mit der kanadischen Autorin Margaret Atwood

"... 'Ist 'Die Geschichte der Dienerin' für Sie tatsächlich eine politische Utopie oder ist sie nicht vielmehr psychologisch gesehen, ein zeitloser, kollektiv weiblicher Alptraum?'

'Was ist da der Unterschied? Alle klassischen Utopien, ob positive oder negative, sind von Männern geschrieben und handeln von sexueller Reglementierung. Mein Buch steht in der Tradition von Orwell und Huxley, aber aus der weiblichen Perspektive. Deshalb ist es beides - eine politische Utopie und ein kollektiver weiblicher Alptraum. Allerdings: Ich habe nichts erfunden! Alles, was ich beschreibe, gab es schon einmal oder gibt es, in anderen Gesellschaften als der unseren, auch heute. Die Freiheit der Frauen, die wir kennen, ist nicht 'normal', das heißt, sie ist die Ausnahme."

Emma 05.02.1990

"... Der Film ist von beklemmendem und hochaktuellem Realismus. Eine fundamentalistische Militärdiktatur läßt nur noch das Alte Testament und die Waffen sprechen. Frauen dürfen nicht mehr lesen, nicht mehr berufstätig sein, nicht mehr alleine auf die Straße gehen. Sie sind Arbeitstiere, Wärterinnen, Gebärerinnen oder Die-Hausfrau-an-seiner-Seite (oder auch Prostituierte - die gibt es natürlich trotzalledem weiter). Männer sind Pfaffen, Soldaten, Gehilfen oder Diktatoren (auch wenn sie manchmal gerne Scrabble spielen).