Die Blechtrommel : Pressestimmen

Länge: 145 Min. Format: 35mm Farbe

Uraufführung (DE): 03.05.1979, Berlin, Mainz, Wiesbaden (FBW "besonders wertvoll"); TV-Erstausstrahlung (DE): 01.05.1984, ARD

Preise:
IFF Sydney 1980 (1. Preis)
IFF Mailand 1980 (Premio San Fedele)
Academy Awards 1980 (Oscar, Bester fremdsprachiger Film)
IFF Belgrad 1980 (Beste Regie)
1980 (Goldene Leinwand)
David Wark Griffith Award 1980 (Bester ausländischer Film)
Filmzeitschrift "Cinema" 1979 (Jupiter)
Deutscher Filmpreis 1979 (Goldene Schale, Bester programmfüllender Spielfilm)
IFF Cannes 1979 (Goldene Palme - Palme d'Or)


Süddeutsche Zeitung 03.05.1979

Von Peter Buchka

"... Und dennoch wäre er nichts ohne seinen Hauptdarsteller David Bennent. Dieses Kind mit den großen, verwunderten Augen, durch die doch der ganze Hass der Verletzten schießen kann, hat, wohl wegen der eigenen Kleinwüchsigkeit, schon alles Leid der Welt im Gesicht; ein Leid, dessen er sich gleichwohl durch Koboldhaftigkeit zu erwehren weiß. Eine bessere Besetzung des Oskar ist kaum denkbar. Dieser kleine David, dieser Laiendarsteller pustet all die Profis wie Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski und Katharina Thalbach regelrecht von der Leinwand. Wenn er im Bild erscheint, dann achtet man nur noch auf ihn. Nicht zuletzt seinetwegen gewinnt dadurch Oskar auch im Film jene Allgegenwart, die er im Buch durch die Sprache hat."

Die Zeit

Von Hans C. Blumenberg

"... "Dieser aus phantasmagorischen Kaskaden sich ergießende surreale Bilderbogen hört nie, auf keiner Seite, auf, vergnüglichen Spaß zu bereiten", hieß es in der ZEIT-Serie "Hundert Bücher" neulich über "Die Blechtrommel", und Vergleichbares läßt sich auch über den Film sagen, trotz aller Einschränkungen gegen die Notwendigkeit des Unternehmens. ...

Die Erzählweise ist eher fragmentarisch, fast eine Folge von höchst unterschiedlichen Kurzfilmen, deren Kontinuität nur durch die wiederkehrenden Darsteller gewahrt bleibt. Beschaulicher Naturalismus hat keine Chance, sich einzuschleichen, allzu drastisch prallen Horror- und Heimatfilm, Slapstick und heroisches Drama, kleinbürgerliches Satyrspiel und politische Satire aufeinander: ein schönes Chaos. ..

Man hat Angst vor ihm in diesem Film, man fühlt sich ertappt, aber man fühlt auch mit ihm, wenn sich sein Wüten und seine Begierden als zu maßlos erweisen für den schmächtigen Körper: David Bennents Oskar ist keineswegs der Freak im Zirkus Schlöndorff, ein schreckliches Kind zwar, dessen Blick man nicht so rasch vergessen wird, aber eben doch ein Kind: Nur so lässt sich der Trommler der Verweigerung, der Prophet der reinen Unvernunft im Kino darstellen. Die selbstbewusste Unvernunft des Films wird ihm gerecht."