Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach : Pressestimmen

Länge: 102 Min. Format: 16mm aufgeblasen auf 35mm, s/w

TV-Erstsendung (DE): 26.01.1971, ARD; Kinostart (DE): 29.01.1971, Frankfurt am Main, Lupe 2, (FBW "besonders wertvoll")

Preise:
IFF San Sebastian 1971 (Preis der spanischen Filmkritiker für das Drehbuch, Preis der Auslandskorrespondenten, Premio Luis Buñuel, OCIC-Preis)
Deutscher Filmpreis 1971 (Filmband in Gold, Beste Regie)


Frankfurter Allgemeine Zeitung

Von Karl Korn

"... Wer dachte daran, den alten Begriff Heimat außer Kurs zu setzen, weil ihn klägliche Leute haben herunterkommen lassen? "Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach" wertet Wort und Begriff auf. Das karge, geschichtsträchtige Land der Büchner/ Wilhelm Heinrich Riehl und der Brüder Grimm bezeichnet den geistigen Raum, in dem dieser ungewöhnliche Film spielt. Endlich ist wieder einmal einer aus der jungen kritischen Generation physisch, sozial, geistig da zu Hause, wo er herkommt. Mit dem Hessischen Landboten, aber auch mit den an Lahn, Wetter und Fulda gesammelten Volksmärchen und den so modernen, weil konkreten Sozialstudien Riehls im alten Nassau hat Schlöndorffs Film die rebellische Glut der Auflehnung des Vormärz, den beharrlichen bäuerlich-handwerklichen Sinn und die Prägung durch ein spezifisch mittelrheinisches Volksleben gemein, in dem das Egalitäre wie Natur angelegt ist und darum einen konservativen Grundzug abgibt.

... In dieser filmischen Rekonstruktion einer sozialen Lage vor 150 Jahren weht der Geist einer Zeit, in der die romantische Bewegung real politisch wurde. ...

Die virtuosen filmischen Variationen des bis zum endlichen Gelingen siebenmal wiederholten Überfalls einer Rotte Kombacher Bauern "in der Subach", wo sich noch heute trotz Hessenplan die Füchse gute Nacht sagen, auf das kurhessische "Geldkärrchen" bringen den Film nicht zufällig in die Nahe von "Bonnie und Clyde"."

Die Zeit

Von Wolf Donner

"... Wo sonst in einem literarischen oder filmischen Werk dieser Zeit wäre Volk, dem wir angehören, in der Mittellage zwischen Märchen und Aufbruch in die politische Selbstbestimmung mit solcher Kennerschaft und solcher Liebe gesehen? So führt die Kamera Gesichter vor, in denen der Schmelz alter Daguerreotypien mit der Härte des besten Neoverismus vereint scheint, alte, von Acker, Kindbett und Kochherd gezeichnete Frauen, deren schütteres Haar zum hessischen Knirzel aufgebunden ist, die vor "Euer Gnaden" dem Gerichtsrat, ihre Denunziation wie ein Schulgebet herleiern, sich im Aberglauben befangen zeigen, obwohl draußen die Leibeigenschaft aufgehoben ist und Bürgerfreiheit soeben erkämpft wird, Männergesichter, in denen die Vernunft vergebens gegen die Dumpfheit aus Unwissen ankämpft, und als Höhepunkt jenes strohblonde, blasse Bauernkind im Brautjungfernputz, den Gellertvers aus den geistlichen Oden hersagend: "Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand auch seine Last."