Der Kandidat : Pressestimmen

Länge 129 Min. Format 35mm Farbe und s/w

Uraufführung 18.04.1980, (FBW "besonders wertvoll")

Preise:
IFF Florenz 1980


Die Zeit 24.04.1980

Von Hans C. Blumenberg

"Der Film "Der Kandidat" ist ein Film ist ein Film. Er ist kein politischer Leitartikel. Er lässt sich in keine Pflicht nehmen. Er macht sich viele Bilder, aber er liefert kein Bild. Würde er nur, wie in dem Dokumentationsteil von Stefan Aust, die Stationen einer Karriere nachvollziehen, könnte man ihn für ehrenwert halten und vergessen. Aber er handelt, soweit ihn Kluge und Schlöndorff gemacht haben (vor allem Kluge), von Sachen, die nicht so deutlich darstellbar sind, die den Kandidaten Strauß begleiten, mit denen er umgeht: von der Angst in Deutschland und von den Bildern der Macht, der Macht der Bilder. ...

Kluge und Schlöndorff kreisen die Figur Strauß mit vielen, eben auch unvernünftigen, phantastischen Mitteln ein. Sie montieren Gegensätze, die aberwitzig, irreal erscheinen, aber doch die Realität eines zerrissenen Landes dokumentieren: den glanzvollen Einzug des Kandidaten in den Festsaal zu Passau am Aschermittwoch (aus der Entfernung, in einer gewaltigen Totale gefilmt) und das triste Rummelplatz-Karussell vor dieser Weihestätte; den Parteitag der Grünen und einen zur gleichen Zeit stattfindenden Luftwaffen-Ball ein paar hundert Meter weiter.

Gerade Schlöndorff erweist sich in diesen Sequenzen als ein brillanter Dokumentarist: mit einem scharfen Auge für absurde Details. Bei der Passauer Rede von Strauß richtet er seine Aufmerksamkeit auf zwei gelangweilte, abwesend wirkende Saalwächter, die hinter dem Kandidaten am Rande der Bühne stehen. Plötzlich sieht man ihn, den Riss zwischen der offiziellen Pose und der beiläufigen Privatheit: unversöhnlich."

Süddeutsche Zeitung 20.04.1980

Von Robert Leicht

". . . Im übrigen lässt dieser Film wieder einmal deutlich werden, in welchem Maße die modernen Massenmedien das Bild der Politiker nach deren eigenem Darstellungswunsch retuschieren und bis zur Unwahrscheinlichkeit verfälschen: Hier wird reichlich auf Material zurückgegriffen, das sonst unter den Tisch fällt, das entsteht, wenn der Kandidat noch nicht weiß: Kamera läuft. Das Ergebnis ist unbarmherzig enthüllend, auf seine Weise wahr - parteiisch allerdings, insofern, als es hier nur den Kandidaten trifft, nicht seine Gegner. ... "