Der junge Törless : Inhalt

Länge: 87 Min. Format: 35mm s/w

Uraufführung (FR): 09.05.1966, Cannes, IFF (FBW "besonders wertvoll"); Uraufführung (DE): 20.05.1966, Lübeck


Volker Schlöndorff über TÖRLESS:

Basini (Marian Seidowsky) ist bei Musil ein weicher, haltloser Junge, ein Adliger, dessen eigenartige Anmut den jungen Törless (Matthieu Carrière) regelrecht in Versuchung führt. Als Reiting (Alfred Dietz) ihn bei einem Diebstahl erwischt, beschließen er und sein teuflischer Freund Beineberg (Bernd Tischer), ihn nicht bei der Schulleitung anzuzeigen, sondern ihn zu ihrem Sklaven zu machen. Reiting besitzt ein ungewöhnliches Talent, sich zum Tyrannen über die anderen zu erheben. Indem er Basini, der mit Namen und im Aussehen anders ist, ausgrenzt und brandmarkt, versichert er sich der Unterstützung der Mehrheit bei der Verfolgung dieses niederen, unwürdigen Elements: Reiting kannte kein größeres Vergnügen, als Menschen gegeneinander zu hetzen, den einen mit Hilfe des anderen unterzukriegen und sich an abgezwungenen Gefälligkeiten und Schmeicheleien zu weiden, hinter deren Hülle er doch das Widerstreben des Hasses fühlte.

- Ich übe mich dabei, war die einzige Entschuldigung und er gab sie mit liebenswürdigem Lachen.

Freilich war ihm noch nie jemand so ausgeliefert wie Basini. Beineberg, fasziniert von Yoga und anderen indischen Praktiken, benutzt das Opfer, um seine Theorien über Schmerzempfindlichkeit, Körper und Seele zu testen. Beide sind sich darin einig, dass Basinis eigener Wille gebrochen werden muss. Sie zwingen ihn, wann immer es ihnen gefällt, in ihre geheime rote Kammer auf dem Dachboden zu kommen und sich nackt vor ihnen im Staub zu wälzen. "Ich bin ein Tier, ein diebisches Tier, Euer diebisches, schweinisches Tier!" muss er dann schreien, und wenn er nicht mehr weiter kann, fallen sie über ihn her, prügeln und missbrauchen ihn.

Törless ist zunächst nur Zeuge. Fassungslos beobachtet er, wie Basini sich demütigen lässt, wie sadistisch die anderen sich an ihm befriedigen. Als Törless schließlich empört einschreiten will, ist es zu spät. Durch das bloße Zuschauen ist er zum Komplizen geworden. Es wird ihm gedroht, ihn als Mittäter in die Sache hinein zu ziehen. Da er sich wegen seines voyeurhaften Vergnügens schuldig fühlt, gibt er klein bei.

All das erinnert an die Nazizeit, an die Praktiken der Machtergreifung, an die Reden Himmlers und an das Verhalten des aufgeklärten Bürgertums, das die primitiven Nazis nur überlegen beobachtete - bis es zu spät war.