Der Fangschuss : Pressestimmen

Länge: 97 Min. Format: 35mm s/w

Uraufführung (DE): 22.10.1976, Hamburg, Frankfurt/Main, Köln (FBW "besonders wertvoll"); Aufführung (DE): 29.10.1976, Hof, Internationale Filmtage; TV-Erstsendung (DE): 07.01.1979, ARD;

Preise:
Deutscher Filmpreis 1977 (Filmband in Gold für Beste Regie und Beste Kamera)
IFF Neapel 1976 (Premio Vittorio De Sica)


Der Spiegel 23.10.1976

Von Heinrich Böll

Zeitbombe des Zweiten Weltkriegs

"Welcher Explosivstoff im Privaten verborgen liegt, können die Leser des Buches und die Zuschauer des Films ahnen, ahnen können sie auch, wie viel Dynamit - politisches - in der still brodelnden Verhaltenheit hetero- und homo-erotischer Beziehungen sich verbirgt, und dass inmitten dieser merkwürdigen "Keuschheit" eine junge Adelige einem jungen adeligen Offizier eine Liebeserklärung macht, ...

Das ruhige Gesicht der Margarethe von Trotta als Sophie von Reval, Herrin und Magd zugleich, ist eindrucksvoll ausdrucksvoll, die Rolle - bis auf die künstlichen Verworfenheiten, mit denen sie den Untergang ihrer Klasse an sich, mit sich und in sich vollzieht - überzeugend gespielt.

... Im Film wird das stellenweise zum Duell dieses einen Frauengesichts gegen die Männergesichter, ... vor allem gegen das Gesicht, das diesen Film streckenweise beherrscht: Matthias Habich als Erich von Lhomond. ..."

Züricher Anzeiger

"Der Fangschuss" handelt indirekt vom deutschen Verhängnis. Durch Erichs Kalte, seinen durch Harte verborgenen Mangel an Emotion, seine Verdrängung des Gefühls und seiner Unfähigkeit zur Liebe führt ein sehr direkter Weg in die Katastrophe der 30iger Jahre, in die beamtenhafte Sturheit, mit der heute der radikale Andersdenkende erfasst und aus dem öffentlichen Leben - wo immer möglich - ausgeschieden wird - in beiden Teilen Deutschlands."

Neue Züricher Zeitung

"Wie Visconti beschreibt Volker Schlöndorff den Untergang einer Männergesellschaft, die den Krieg als rauschhaftes Erleben der Männlichkeit versteht, unfähig zu Gefühlen. Dagegen protestiert Sophie von Reval: Sie wird zur Revolutionärin, um den Mann zu bekämpfen, den sie liebt."

Mannheimer Morgen

"Präzise erfasst ist in dem Schlossmilieu die Atmosphäre der Auflösung einer untergehenden Welt; die lastende Stimmung findet auch in den Landschaftsaufnahmen der hervorragenden Schwarz-Weiß-Fotografie Igor Luthers adäquaten Ausdruck. Neben Margarethe von Trotta beeindruckt darstellerisch vor allem Valeska Gert in der komödiantisch brillanten Charakterstudie einer alten Tante der Familie."

 

Von Ingmar Bergmann

"Vielen Dank, dass ich Ihren besonders schönen Film "Der Fangschuss" sehen konnte. Er hat mir außerordentlich gefallen. Grüße. . . "