Baal : Pressestimmen

Länge: 84 Min. Format: 16mm Farbe

TV-Erstsendung (DE): 07.01.1970, HR 3


Süddeutsche Zeitung 20.04.1970

" ... Mit der Besetzung der Titelrolle durch Rainer Werner Fassbinder hat Schlöndorff jedoch einer Assoziation in dieser Richtung beträchtlichen Auftrieb gegeben: Die Kenntnis der vielfältigen und teilweise höchst erfolgreichen dramatischen Experimente des Antitheater-Chefs und Filmregisseurs Fassbinder erleichtern es dem Zuschauer, geradezu an eine Duplizität des Herkommens, des sozialen Engagements und der künstlerischen Potenz von Stückeschreiber und Interpreten zu glauben.

Die verblüffendste Wirkung geht bei diesem spätexpressionistischen Werk von seiner ungeahnten Aktualität aus: Schlöndorff hat es nicht als Kostümstück inszeniert, sondern geradezu unbekümmert in unsere von einem neuen Geniekult und gelockerter Auffassungen der Sexualmoral geprägte Zeit transportiert. Und siehe da: Bis hin zur Rolle des Hofnarren, die dem Dichter Baal an den Tischen der Reichen zugewiesen wird, zeigt das frühe Werk Brechts - von dem er 1954 warnend sagte, "dem Stück fehlt Weisheit" - eine solche Ähnlichkeit mit heute herrschenden Zuständen, darf man in Baal, seinen Mädchen und seinen Kumpanen Gestalten wiederzuerkennen meint, denen man täglich begegnet."

FAZ

Von Friedrich Weigend

"... Aber alle ... Fehler wiegen leicht gegenüber dem gesamten Duktus dieser Fernsehinszenierung, ihrer souveränen Fotografie, ihrer Darstellerführung; treten zurück gegenüber dem, was Schlöndorff aus einem der Figur des Baal nicht von vornherein entgegenkommenden Schauspieler wie Rainer Werner Fassbinder machte. Das Wort Schauspieler ist hier natürlich falsch und konventionell gewählt. Fassbinder sprach den Text Brechts, sang die schwarzen, für sich allein stehenden Balladen ... und war in einem Maße präsent, das keinen Gedanken an Rollenspiel aufkommen ließ. Die Frauen um Baal bekamen von Schlöndorff das richtige Profil - Irmgard Paulis (Johanna), Margarethe von Trotta (Sophie) und ganz besonders Miriam Spoerri (die Bourgeoisgattin Emilie) seien für alle anderen genannt."