Natasha Richardson

Natasha Richardson stammt aus einer bekannten Schauspielerfamilie: Ihre Mutter war Vanessa Redgrave, der Vater Tony Richardson. Auch Tante und Großvater waren Schauspieler. Die 1963 in London geborene Richardson hatte in dem Schlöndorff-Film DIE GESCHICHTE DER DIENERIN ihre erste große Rolle. Er bewunderte ihre Klasse und Präsenz, auch wenn ihr der Durchbruch beim großen Publikum schwer fiel. Natasha Richardson starb 2009 an den Folgen eines Skiunfalls. 

Natasha Richardson, Königliche Hoheit nannte ich sie scherzhaft am Set, so souverän war sie, so viel Klasse hatte sie schon als ganz junge Schauspielerin. Dabei war DIE GESCHICHTE DER DIENERIN ihr erster Film, ihre erste große Rolle; sie war praktisch über Nacht für Sigourney Weaver eingesprungen. Wir verfilmten mit ihr und Faye Dunaway ein Drehbuch von Harold Pinter nach dem Roman von Margaret Atwood. Eine damals noch fast unvorstellbare Story, in der die religiösen Patriarchen den Frauen ihre Unabhängigkeit nehmen. Eine albtraumartige Zukunftsvision der USA, fast ein feministisches Pamphlet, mit dem Natasha Richardson sich so sehr identifizierte, dass sie den Darsteller ihres Herrn und Meisters, Robert Duvall, gleich mithasste. Allerdings gab sein Verhalten guten Grund dazu…

Das Hotel in Durham, North Carolina, wo wir drehten, war schlecht isoliert. Im Badezimmer konnte man über Etagen hinweg jedes Geräusch, jeden Satz hören. So kam es, dass Duvall auf der Toilette telefonierte, und Natasha Richardson eine Etage tiefer hörte, wie er sich über sie ausließ, diese „Bohnenstange“, die als Frau nichts zu bieten habe und auch als Schauspielerin ihrer Mutter, Vanessa Redgrave, nicht das Wasser reichen könne…

Völlig aufgelöst kam Natasha in den Bungalow, in dem ich mit Igor Luther wohnte. Sie hatte das Gespräch nicht mit anhören wollen, aber es war nun mal passiert. Wie sollte sie mit diesem Kerl weiterspielen?! Ich redete ihr gut zu. In ihrer Rolle müsse sie ihn ja ohnehin hassen, so sehr, dass sie ihn schließlich umbringe. Da könne ihre Wut doch nur helfen. Die wunderbare Elizabeth McGovern, ihre Partnerin und Freundin am Set, stimmte zu. Wir rieten ihr, sich nichts anmerken zu lassen, Duvall kein Wort zu sagen.

Natasha kämpfte sich durch und genussvoll durfte sie ihm schließlich die Kehle durchschneiden. Von ihrem Vater, Tony Richardson, dem wunderbaren Regisseur, hatte sie eine kritische Intelligenz, von der Mutter die besagte königliche Haltung und unglaubliche Präsenz auf der Bühne wie vor der Kamera. Allerdings verboten ihr Anstand und gute Erziehung, ihre Gefühle zu zeigen, ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Das hat ihr vielleicht den Durchbruch beim großen Publikum schwer gemacht.