Michael Ballhaus

Michael Ballhaus ist einer der bedeutendsten Kameramänner des deutschen und des internationalen Films. 1935 in Berlin geboren arbeitete er unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder, Peter Lilienthal und Martin Scorsese. Auch bei dem Schlöndorff-Film TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN war er für die Kamera zuständig.

Da begegnete ich Michael Ballhaus, der auf dem Weg zu Martin Scorseses Schneideraum am Broadway war. Die beiden hatten gerade zum ersten Mal zusammengearbeitet, an dem ziemlich untypischen Low-Budget-Film AFTER HOURS. Als ich Michael von dem Projekt TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN erzählte, wurde er sehr aufgeregt. Sein Vater hatte ein Tourneetheater in Franken betrieben, das Stück gehörte zum festen Repertoire des Familienunternehmens. Michael kannte es in- und auswendig.
– Das müssen wir machen!

Mit Michael Ballhaus’ Hilfe hatte ich Miller und Hoffman, die als HM Film unsere Produzenten waren, von meinem Konzept und der Notwendigkeit, eine Dekoration im Studio zu bauen, überzeugt. Tony Walton, ein erfahrener Bühnenbildner, arbeitete mit uns. Wir fuhren nach Brooklyn und sammelten Details. Allmählich erfanden wir die einzelnen Räume, oft nur eine oder zwei Wände, aber jede einzelne ein kameragerechtes Bild, mit Türen und Öffnungen, die es erlaubten, übergangslos von einem Handlungsort zum anderen zu kommen. Eine Tür in Willy Lomans Korridor führte zum Beispiel in das Hotelzimmer in Boston, wo sein Sohn Biff ihn mit seiner Geliebten überrascht. Die Tür zum Badezimmer dort wiederum führte in die Toilette des Lokals, wo er mit seinen Söhnen verabredet ist. Im Büro seines Chefs öffnete sich die Wand in die große Weite, aus der der verschollene Onkel Ben auftaucht, auf dem Rundhorizont war das Haus mal von Kastanien, mal von Mietskasernen umgeben. Es erinnerte an experimentelle Avantgarde einer anderen Zeit, entsprach aber ziemlich den Regieanweisungen des Autors, wonach das Stück sich ohnehin im Kopf des Handlungsreisenden abspielte, eines Mannes, der die Wirklichkeit und die Welt seiner Phantasie nicht mehr auseinanderhalten kann. Am stärksten war das vielleicht in der Szene, in der Biff ihm gesteht, genauer gesagt, ihm das Geständnis aufzwingt, dass er bei einem Anstellungsgespräch den Füller des Chefs gestohlen hat. Als wir die Szene drehten, deutete Miller auf Malkovich und flüsterte mir zu:
– Schau ihn dir an! Dieses engelhafte Lächeln, die perfekte Miene eines Killers …

Der Füllfederhalter wird praktisch zur Waffe des Vatermordes. Willy Loman bricht zusammen, flieht aus der Vernunft in den Wahn, und während Michael Ballhaus ihn um 360 Grad mit der Kamera verfolgt, erscheinen in Fenstern und Türen Gestalten aus seiner Phantasie, wie in einem alten Mabuse-Film. Tatsächlich gab es da eine Verbindung, wie Miller mir erzählte. Obwohl das Stück eindeutig im jüdischen Milieu spielt, hat Miller alle Namen betont amerikanisch gewählt. Den Namen Willy Loman hatte er aus Fritz Langs DR. MABUSE übernommen. Er hatte den Film als junger Mann gesehen, und noch Jahre später erinnerte er sich an die Stimme des verrückten Mabuse, der in seiner Gummizelle nach dem Kommissar verlangt: „Lohmann! … Lohmann! … Lohmann!“