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Volker Schlöndorff über Das Meer am Morgen

21.09.2012

In seiner Schrift "Zur Geiselfrage" berichtet Ernst Jünger von den Erschießungen französischer Bürger zur Zeit der Besatzung. Dieser lange verschollene Text, den der Klett-Cotta Verlag nun in das Gesamtwerk des Schriftstellers aufgenommen hat, ist eine der Quellen meines Drehbuches, das sich im übrigen auf die Briefe der Geiseln, auf Polizeiprotokolle und eine Novelle von Heinrich Böll stützt.

Vor mehr als fünfzig Jahren, gerade ein Jahrzehnt nach Kriegsende, hat es mich, im Rahmen eines europäischen Schüleraustausches, an ein Jesuiteninternat in der Bretagne verschlagen. Blühender Ginster begrüßte mich im April 1956 in der Heidelandschaft, die das Städtchen Vannes in Morbihan umgab. Vorkriegsautos dominierten das Straßenbild, Frauen in schwarzen Trachten saßen vor den Kirchen, Häuser und Stadtmauern schienen seit Jahrhunderten unberührt. Ich war weit weg vom Wirtschaftswunder und unseren schnell aufgebauten Städten. Doch was hier noch präsent war, als wäre es gestern gewesen, waren die Jahre der deutschen Besatzung.

Volker Schlöndorff über Das Meer am Morgen. Bayerisches Fernsehen. 21. September 2012.

www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/inhalt/film-und-serie/das-meer-am-morgen-100.html