News

< Lesung in Potsdam

Filmmuseum Frankfurt

31.03.2009

Volker Schlöndorff zum 70. Geburtstag: Werkschau und Carte Blanche im Deutschen Filmmuseum

Frankfurt am Main (27. März 2009) - Am 31. März feiert Volker Schlöndorff seinen 70. Geburtstag. Das Deutsche Filmmuseum, Frankfurt am Main würdigt den Regiesseur in zwei Filmreihen: Bei den "Klassikern und Raritäten" läuft eine Werkschau seiner bedeutendsten Filme; mit einer "Carte Blanche" macht er selbst Kinoprogramm und wählt zwölf prägende Meisterwerke aus, die einen persönlichen Bezug zu seinem eigenen Leben und Werk herstellen. 
Schlöndorff ist dem Haus seit vielen Jahren eng verbunden, die Archive des Deutschen Filminstituts - DIF verwahren die Sammlung Volker Schlöndorff sowie sein Privatarchiv.


Werkschau bei den Klassikern und Raritäten im April und Mai
Die Werkschau Volker Schlöndorff präsentiert im April und Mai zehn seiner bedeutenden Werke. Am 31. März, seinem Geburtstag, läuft Schlöndorffs sein Debütfilm DER JUNGE TÖRLESS (1966), der den ersten internationalen Erfolg für den jungen deutschen Film bedeutete. Neben der einfühlsamen wie unterhaltsamen sozialen Studie DER PLÖTZLICHE REICHTUM DER ARMEN LEUTE VON KOMBACH (1971) zeigt das Kino auch DIE BLECHTROMMEL (1979), der mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar ausgezeichnet wurde. Sechs weitere Literaturverfilmungen schließen sich an: DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975) nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll, DER FANGSCHUSS (1976) nach einem Roman von Marguerite Yourcenar sowie EINE LIEBE VON SWANN, die Verfilmung eines Kapitels aus Marcel Prousts Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Im Mai folgen DEATH OF A SALESMAN (Tod eines Handlungsreisenden, 1985) nach einem Theaterstück von Arthur Miller, die Verfilmung von Max Frischs Roman HOMO FABER (1991) sowie A GATHERING OF OLD MEN (Ein Aufstand alter Männer, 1987), eine eindrucksvolle Studie über Rassendiskriminierung, die auf einem Roman von Ernest J. Gaines beruht. Den Abschluss macht Schlöndorffs DER NEUNTE TAG (2004) mit Ulrich Matthes und August Diehl.


Carte Blanche für Volker Schlöndorff im April
Gemeinsam mit Jacques Rivette, Claude Chabrol und François Truffaut "studierte" Volker Schlöndorff als Kinobesucher in der Cinémathèque Française und arbeitete in seinen französischen Jahren für Jean-Pierre Melville, Alain Resnais und Louis Malle. Für die Carte Blanche stellte er ein Programm mit zwölf prägenden Meisterwerke zusammen, die einen persönlichen Bezug zu seinem eigenen Leben und Werk herstellen. Darunter Louis Malles LE FEU FOLLET (Das Irrlicht, 1963), dessen Dreharbeiten Schlöndorff als Assistent des Regisseurs miterlebte, John Fords großartiger Western THE SEARCHERS (Der schwarze Falke, 1956) mit Nathalie Wood, ON THE WATERFRONT (Die Faust im Nacken, 1954), eines der prägenden Kinoerlebnisse von Schlöndorff, der den Film bei einem Ferienaufenthalt in Deutschland sah, sowie Ingmar Bergmans GYCKLARNAS AFTON (Der Abend der Gaukler, 1953), den Schlöndorff gemeinsam mit Bertrand Tavernier in dem Pariser Kino "La Pagode" anschaute.


Kinotermine
Di 31.3. 18.00 Uhr | Zum 70. Geburtstag von Volker Schlöndorff
DER JUNGE TÖRLESS
BRD/Frankreich 1966, R: Volker Schlöndorff
Da: Mathieu Carrière, Marian Seidowsky, 87 min, Einführung: Beate Dannhorn
Zum 70. Geburtstag von Volker Schlöndorff präsentiert das Deutsche Filmmuseum seinen Debütfilm DER JUNGE TÖRLESS (1966), der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde und den ersten auch internationalen Erfolg für den jungen deutschen Film bedeutete. Die Adaption einer Erzählung von Robert Musil spielt in einem Jungeninternat an der österreichisch-ungarischen Grenze, in dem Heranwachsende aus wohlhabenden Familien untergebracht sind. Langeweile und pubertärsexuelle Antriebe sowie Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse führen zur Misshandlung eines Außenseiters, während der zwischen Neugier und Ablehnung der Taten hin- und hergerissene Törless (Mathieu Carrière) zum Mittäter wird. Genau, sorgfältig und handwerklich gekonnt werden die klaustrophobische Atmosphäre des Internats und die Psychologie der Charaktere wiedergegeben.

Mi 1.4. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
DER PLÖTZLICHE REICHTUM DER ARMEN LEUTE VON KOMBACH
BRD 1971, R: Volker Schlöndorff
Da: Georg Lehn, Reinhard Hauff, 101 min
Einführung: Beate Dannhorn
Der für den Hessischen Rundfunk produzierte DER PLÖTZLICHE REICHTUM DER ARMEN LEUTE VON KOMBACH (1971) ist eine der raren Annäherungen an den Heimatfilm, der ohne jegliches Klischee auskommt. Stattdessen gelingt Volker Schlöndorff eine ebenso einfühlsame wie unterhaltsame soziale Studie, die auf historischen Ereignissen beruht: Um ihrer Armut ein Ende zu machen, überfallen hessische Bauern 1825 einen Geldtransport des Fürsten. Für einen Augenblick scheint das Ziel erreicht und ihr Leben radikal gewandelt. Erst später erfahren sie, dass sich damit nichts an den Ursachen ihrer Misere geändert hat.

Mi 1.4. 20.30 Uhr | Fr 3.4. 22.30 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
LE FEU FOLLET Das Irrlicht
F/I 1963, R: Louis Malle, Da: Maurice Ronet, Alexandra Stewart, 110 min, OmU
Bei LE FEU FOLLET (Das Irrlicht, 1963) schrieb Louis Malle erstmals alleine das Drehbuch. Die Arbeit an dem Spielfilm half ihm, sich nach dem Tod eines Freundes aus einer persönlichen Krise zu lösen. Heraus kam ein Film, bei dem der Regisseur zum ersten Mal zufrieden mit seiner Arbeit war. Auch für Schlöndorff, damals Assistent von Malle, bedeutet LE FEU FOLLET eine Zäsur: Während der Film geschnitten wurde, begann er, das Drehbuch zu DER JUNGE TÖRLESS ZU schreiben.

Fr 3.4. 18.00 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
AUF WIEDERSEHEN, FRANZISKA!
D 1941, R: Helmut Käutner, Da: Marianne Hoppe, Hans Söhnker, 97 min
An Helmut Käutner, einen Großen des Regiefaches, muss man heute erinnern, ebenso an die Schauspielerin Marianne Hoppe, die am 26. April 1909 geboren wurde. Die Liebesgeschichte in AUF WIEDERSEHEN FRANZISKA (D 1941) sollte - wie Francis Courtade in seiner Geschichte des Films im Dritten Reich schreibt - "die zahllosen deutschen Frauen trösten, die der Krieg einsam gemacht hat". "Das großartige Gesicht, ihre völlig untheatralische Art, sich vor der Kamera zu verhalten, hat mich bei der frühen Marianne Hoppe immer an Jeanne Moreau erinnert", sagt Schlöndorff.

Sa 4.4. 20.30 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
LA MAMAN ET LA PUTAIN Die Mama und die Hure
Frankreich 1973, R: Jean Eustache
Da: Jean-Pierre, Léaud, François Lebrun, 220 min, OmeU
"Dreieinhalb Stunden, fast frei von plot points, ruhig kadriert und langsam geschnitten: Wir sehen die Langeweile, hören Zitate ohne Kontext und folgen einer Kommunikation, die keine mehr ist, ohne dabei allerdings selbst gelangweilt zu sein. Eustache zeigt uns Anfang der Siebziger den 68er-Protest gegen das Bürgertum als in sich selbst erstarrte Geste. Den Diskussionen sind die Inhalte abhanden gekommen - nichtsdestotrotz werden sie geführt. Verkehrte Welt des intellektuellen Scheins: das Leben als Parabel auf die Literatur, die Musik, das Kino." Das schreibt Maya McKechneay über LA MAMAN ET LA PUTAIN (1973), gerade in der heutigen 68er-Nostalgie sehenswert!

So 5.4. 18.00 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
ICH WAR NEUNZEHN
DDR 1968, R: Konrad Wolf, Da: Jaecki Schwarz, Wassili Liwanow, 120 min
Damals in Paris lebend, erlebte Schlöndorff aus der französischen Perspektive das deutsche Kino in Ost und West, das zur Zeit der Nouvelle Vague immer noch im Stil der Fünfziger Jahre gefangen war. "Für die Arbeit und die Leistungen der DEFA-Filmschaffenden empfinde ich Respekt, doch letztlich bleiben unter den tausenden dort produzierten DDR-Filmen nur wenige übrig, die heraus ragen, am beeindruckendsten ICH WAR NEUNZEHN (DDR 1968)." In Konrad Wolfs auf eigenen Erinnerungen beruhendem, episodisch gestaltetem Antikriegsfilm - ohne Pathos und Larmoyanz inszeniert - steht ein junger Exilant im Zentrum, der als Leutnant der Roten Armee nach Deutschland zurückkehrt.

So 5.4. 20.30 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
IKIRU IKIRU - EINMAL WIRKLICH LEBEN
Japan 1952, R: Akira Kurosawa, Da: Takashi Imura, Shinichi Himori, 123 min, DF
"Einmal wirklich leben" lautet der deutsche Titel von Akira Kurosawas IKIRU (1952). Darin möchte der todkranke Abteilungsleiter einer städtischen Beschwerdestelle in seinen letzten Tagen dem Leben noch etwas abgewinnen. Zunächst versucht er es mit Ausschweifungen, später findet er Erfüllung darin, gegen die Mühlen der Bürokratie, in denen er selbst gemahlen hat, anzugehen und sich für ein kleines, konkretes Projekt einzusetzen: einen Kinderspielplatz in einer armen Wohngegend. "In der Cinémathèque gab es nur eine Kopie mit deutschen Untertiteln, die ich jedesmal simultan übersetzen musste. So kann ich den Film heute noch auswendig: Bild und Ton."

Di 7.4. 20.30 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
THE SEARCHERS Der schwarze Falke
USA 1956, R: John Ford, Da: John Wayne, Jeffrey Hunter, 119 min, OF
Als aktuelles Genre hat der Western, vielleicht die amerikanischste Form, kaum noch etwas von seiner einstigen Bedeutung erhalten können. Spricht man über sie, hat es meist etwas von Rückschau, geht es oft um die Frage des "besten Westerns aller Zeiten". Darauf kann es viele Nennungen geben, zweifellos zu Recht kommt THE SEARCHERS (Der schwarze Falke, 1956) darin vor. "Unvergesslich die Einstellung, wie Nathalie Wood hinter einer Sanddüne auftaucht. Bei ULZHAN musste ich oft daran denken."

Mi 8.4. 18.00 Uhr | Sa 11.4. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
DIE BLECHTROMMEL
BRD/F 1979, R: Volker Schlöndorff, Da: David Benennt, Mario Adorf, A. Winkler, 142 min
Die Blechtrommel, der 1959 erschienene Roman von Günter Grass, galt lange Zeit als unverfilmbar. Erst 1975 verkaufte Grass die Rechte an Volker Schlöndorff, dessen vier Jahre später fertiggestellte Verfilmung DIE BLECHTROMMEL (1979) zum erfolgreichsten deutschen Film der Nachkriegsgeschichte avancierte, mit der Goldene Palme in Cannes und dem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet und fortan zu Schlöndorffs Markenzeichen wurde. Aus Protest gegen die Erwachsenenwelt stellt der 1924 in Danzig geborene Oskar Matzerath (David Benennt) an seinem dritten Geburtstag das Wachstum ein. Mit einer Blechtrommel artikuliert er fortan wütend seinen Protest gegen Nazis und Mitläufer, Feigheit und Spießertum.

Mi 8.4. 20.30 Uhr | Di 14.4. 18.00 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
ON THE WATERFRONT Die Faust im Nacken
USA 1954, R: Elia Kazan, Da: Marlon Brando, Karl Malden, 108 min, DF
In seiner Schulzeit in Frankreich erlebte Schlöndorff, dass Film dort im Gegensatz zu seiner deutschen Heimat längst zur Kultur gehörte und Anerkennung fand. ON THE WATERFRONT (Die Faust im Nacken, 1954), den er bei einem Ferienaufenthalt in Deutschland sah, sollte zu einem prägenden Kinoerlebnis werden: "Ich konnte nicht benennen, was mich mehr aufwühlte, die gnadenlose Bosheit der Welt oder der fast unmögliche Kampf gegen die Ungerechtigkeit? Oder war es die Freude, von Liebe belohnt und beflügelt zu werden, ermutigt von einem bigger than life-Priester? Oder war es die Ausstrahlung des jungen Brando, die realistische Schwarzweiß-Fotografie, die hautnahe, alles dramatisch zuspitzende Regie Elia Kazans oder die dynamische Musik Leonard Bernsteins? Es war alles zusammen, und es waren die Patres, die Révérends Pères, die mich ermutigten, solche Impulse ernst zu nehmen und aus einer vagen Sehnsucht ein konkretes Berufsziel abzuleiten."

Do 9.4. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM
BRD 1975, R: Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta
Da: Angela Winkler, Mario Adorf, Jürgen Prochnow,106 min
DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975), Volker Schlöndorffs und Margarethe von Trottas Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll, zählte zu den ersten international vielbeachteten Werken des jungen deutschen Films. Wie in der Literatur bezieht sich auch der Film auf die, durch aktuelle Streitfragen im Zusammenhang mit der Terrorismus-Debatte der 1970er Jahre ausgelöste, beispiellose Hetzkampagne der Boulevard-Presse gegen Böll, in der er zum RAF-Sympathisanten degradiert, sein Haus durchsucht und er überwacht wurde. Die Haushälterin Katharina Blum (Angela Winkler) wird durch ihre zufällige Bekanntschaft mit einem Terrorverdächtigen zum wehrlosen Opfer von Polizei, Justiz und Sensationspresse. Als der psychische und menschliche Druck aus Vorurteilen, Verunglimpfungen und offenem Hass immer unerträglicher wird, greift Katharina zur Waffe, um den letzten Rest ihrer Ehre zu retten.

Do 9.4. 20.30 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
L'ARMEE DES OMBRES Army of Shadows
F 1969, R: Jean-Pierre Melville
Da: Lino Ventura, Paul Meurisse, Simone Signoret, 143 min, OmeU
In Deutschland dauerte es neun Jahre, in den USA sogar 37, bis ARMÉE DES OMBRES (1969) in die Kinos kam. In dem vielleicht persönlichsten Film von Jean-Pierre Melville setzt sich eine Gruppe französischer Resistance-Kämpfer mit ihrem eignen Ehrbegriff und dem Widerstand gegen die nationalsozialistischen Besatzer auseinander. Unvergesslich dabei ist an der Seite von Lino Ventura die große Simone Signoret, die Schlöndorff bei den Dreharbeiten kennen lernte. Für den Spielmannzug der Wehrmacht auf den Champs Elysées organisierte Schlöndorff eine Bergmannskapelle aus dem Ruhrgebiet.

Sa 11.4. 20.30 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
IL GATTOPARDO Der Leopard
F/I 1963, R: Luchino Visconti
Da: Burt Lancaster, Claudia Cardinale, Alain Delon, 161 min, OmU
Wer weiß, wie Volker Schlöndorffs Karriere verlaufen wäre, hätten nicht der junge Regisseur und sein Produzent Franz Seitz die Verfilmungsrechte für DER JUNGE TÖRLESS (1966) erhalten, sondern Luchino Visconti, der mit Helmut Berger in der Hauptrolle den Stoff verfilmen wollte. Unter den Meisterwerken in Viscontis Filmografie hat IL GATTOPARDO (1963) einen besonderen Platz, man denke an die hervorragende Besetzung (Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon) und die schier endlos scheinende Ball-Sequenz, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereinen.

So 12.4. 18.00 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
GYCKLARNAS AFTON Abend der Gaukler
Schweden 1953, R: Ingmar Bergman, Da: Åke Grönberg, Harriet Andersson, 93 min, OmU
In "La Pagode", einem Pariser Kino, sah Schlöndorff GYCKLARNAS AFTON (Der Abend der Gaukler, 1953) gemeinsam mit Bertrand Tavernier als einen der ersten Filme von Ingmar Bergman, der damals noch als Cineast selbst in seiner schwedischen Heimat unterschätzt war: "Und dann kamen die körnigen, harten Schwarzweiß-Bilder von Kameramann Sven Nykvist bei seiner ersten Arbeit mit Bergman. Ein alternder Schauspieler, noch in verschmierter Clownsmaske, setzte eine Pistole an, um sich das Hirn auszublasen. Über Geröll und Steine lief eine verstörte, junge Frau zum Strand eines nordischen Meeres. Nie wieder im Leben ist mir ein Werk verzweifelter vorgekommen, auch kein Film von Bergman selbst."

So 12.4. 20.30 Uhr | Mi 22.4. 20.30 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
KISS ME STUPID Küss mich, Dummkopf
USA 1964, R: Billy Wilder, Da: Dean Martin, Kim Nowak, 124 min, 12.4. : DF, 22.4.: OF
Von Billy Wilder, den Schlöndorff in seiner Dokumentation BILLY WILDER, WIE HABEN SIE'S GEMACHT? (1992) porträtierte, stammt der Ratschlag, entweder eine einfache Geschichte vor einem komplizierten Hintergrund oder eine komplizierte Geschichte vor einem einfachen Hintergrund zu erzählen. Wie man eine temporeiche Verwechslungskomödie einfach auflöst, zeigt KISS ME STUPID (1964): Nachdem im verschlafenen Wüstenkaff Climax der Sturm um einen umschwärmten Schwerenöter (Dean Martin) weitergezogen ist, sagt die versöhnungswillige Gattin zu ihrem reumütigen Ehemann: "Küss mich, Dummkopf!"


Mi 15.4. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
DER FANGSCHUSS
BRD 1979, R: Volker Schlöndorff, 
Da: Margarethe von Trotta, Matthias Habich, 96 min
Einführung: Beate Dannhorn
DER FANGSCHUSS (1976), die Verfilmung eines Romans von Marguerite Yourcenar, schildert - vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges im Baltikum 1919 - die tragischen Konsequenzen einer unglücklichen Liebesgeschichte zwischen der leidenschaftlichen jungen Adligen Sophie (Margarethe von Trotta) und dem gefühlskalten preußischen Offizier Erich (Matthias Habich). In kargen Schwarzweiß-Bildern und getragen von zwei hervorragenden Hauptdarstellern, in deren Spiel zurückhaltende Zärtlichkeit als auch Kälte und Gewalt zum Ausdruck kommt, ergründet Volker Schlöndorff, auf welche Gesellschaftsschichten sich das NS-Regime stützen konnte.

Di 21.4. 18.00 Uhr | Carte Blanche Volker Schlöndorff
PERWYJ UTSCHITJEL Der erste Lehrer
UdSSR 1966, R: Andrej Michalkow-Kontschalowski
Da: Bolot Bejschenalijew, Natalja Arinbassarowa, 
102 min, OmU
PERVYY UCHITEL (Der erste Lehrer, 1966) spielt in Kirgisien: Ein ehemaliger Soldat der Roten Armee kommt in ein einsames Bergdorf, um als erster Lehrer die einheimischen Kinder zu unterrichten. Er hat von Anfang an gegen den Widerstand der fortschrittsfeindlichen Dorfbewohner zu kämpfen. Der Konflikt verschärft sich, als eine Schülerin, zu der er eine tiefe Zuneigung empfindet, gegen ihren Willen mit einem mächtigen Großbauern verheiratet wird.

Mi 22.4. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
UN AMOUR DES SWANN Eine Liebe von Swann
F/BRD 1984, R: Volker Schlöndorff
Da: Jeremy Irons, Ornella Muti, Alain Dellon, 
111 min, DF
Mit großem Aufwand und internationaler Starbesetzung (unter anderem Jeremy Irons, Ornella Muti, Alain Delon und Fanny Ardant) verfilmte Volker Schlöndorff mit EINE LIEBE VON SWANN (1984) ein Kapitel aus Marcel Prousts Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Atmosphärisch stimmig und detailsicher inszeniert erzählt er die Liebesgeschichte des Pariser Lebemannes Charles Swann (Jeremy Irons), einem kunstbeflissenen und anerkannten Mitglied der "besseren Kreise", mit der Dirne Odette (Ornella Muti), die nicht zuletzt an dessen Eifersucht, Besitzanspruch und Exaltiertheit scheitert.

Mi 6.5. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
DEATH OF A SALESMAN Tod eines Handlungsreisenden
USA/BRD 1985, R: Volker Schlöndorff, Da: Dustin Hoffman, John Malkovich, 
130 min, OF
Der Handelsvertreter Willy Loman (Dustin Hoffman) ist die Widerlegung des amerikanischen Traumes. In seinem Beruf gescheitert, predigt er seinen Söhnen dennoch, möglichst erfolgreich sein zu müssen. Der Konflikt mit seinem ältesten Sohn Biff (John Malkovich), einst ein vielversprechender Student und plötzlich aus der Bahn geraten, verdeutlich aber die Sinnlosigkeit seiner Mühen. DEATH OF A SALESMAN (Tod eines Handlungsreisenden, 1985), den Volker Schlöndorff nach Arthur Millers Theaterstück drehte, besticht durch die Aktualität der Aufdeckung sozialer Missstände und die Mahnung zu einem sinnvolleren Leben. Hoffmans grandiose Darstellung, seine erklärte Lieblingsrolle, wurde mit dem Golden Globe und einem Emmy belohnt.

Do 7.5. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
HOMO FABER
D/F/GR 1991, R: Volker Schlöndorff
Da: Sam Shepard, Julie Delphy, Barbara Sukowa, 117 min
Eine große Zahl von Filmen in Volker Schlöndorffs Œuvre entstand nach einer bekannten literarischen Vorlage. So auch HOMO FABER (1991). Mit Max Frischs Roman beschäftigte sich der Regisseur seit den 1970er Jahren, vor allem wegen des Themas der "unmöglichen Liebe", und verwarf ihn zunächst als unverfilmbar. Erst Ende der 1980er nahm er sich wieder des Stoffes an und erarbeitete das Konzept in Gesprächen mit dem Autor. Die visuell und in der Durchdringung der gedanklichen Fülle grandiose, vielfach ausgezeichnete Literaturverfilmung erzählt von dem rationalistischen, gefühlarmen Ingenieur Walter Faber (Sam Shepard), der nicht an das Schicksal glaubt. Er verliebt sich während einer Schiffsfahrt in die junge Sabeth (Julie Delpy), die sich als seine ihm unbekannte Tochter einer verlassenen Jugendgeliebten erweist.

Do 14.5. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
A GATHERING OF OLD MEN Ein Aufstand alter Männer
USA/BRD 1987, R: Volker Schlöndorff
Da: Louis Gosset Jr., Richard Widmark, Holly Hunter, 91 min, OF
A GATHERING OF OLD MEN (Ein Aufstand alter Männer, 1987) drehte Volker Schlöndorff ursprünglich für das amerikanische Fernsehen. Nach einem Roman von Ernest J. Gaines inszenierte er eine eindrucksvolle Studie über Rassendiskriminierung und eine Huldigung an menschliches Miteinander und Würde. Die Handlung setzt ein, als eine Frau die Leiche eines weißen Mannes und daneben einen Schwarzen mit einem Gewehr in der Hand erblickt. Um ihn zu beschützen, lässt sie durch Botenjungen die Mitteilung an alle schwarzen Männer der Stadt schicken, zum Ort des Geschehens zu kommen und den Verdacht vom vermeintlichen Täter abzuwenden.

Di 19.5. 18.00 Uhr | Werkschau Volker Schlöndorff
DER NEUNTE TAG
D/Luxemburg 2004, R: Volker Schlöndorff, Da: Ulrich Matthes, August Diehl, 97 min
Während des Zweiten Weltkriegs erhält ein im berüchtigten Pfarrerblock des KZs Dachau inhaftierter Priester (Ulrich Matthes) die Erlaubnis, nach Hause zu fahren. Er hat aber nur acht Tage Zeit, um den Bischof von Luxemburg zur Kooperation mit den Nazis zu überzeugen, andernfalls will ihn der Gestapo-Chef Gebhardt (August Diehl) zurück in das Lager bringen lassen. Volker Schlöndorffs DER NEUNTE TAG (2004) beruht auf einem wahren Tagebucheintrag, dessen Hintergründe jedoch bis heute unbekannt sind. So bietet der Film eine eigene Deutung an, die in eindringlichen, kammerspielartigen Bildern der Frage nach Schuld und Verantwortung und der Courage im Angesicht der Bedrohung nachgeht.