Filme
- 2007 Ulzhan
- 2005 Strajk
- 2005 Enigma - eine uneingestandene Liebe
- 2004 Der neunte Tag
- 2001 Ten minutes older
- 2000 Die Stille nach dem Schuss
- 1998 Palmetto
- 1996 Der Unhold
- 1992 Billy, how did you do it?
- 1991 Homo Faber
- 1989 Die Geschichte der Dienerin
- 1987 Ein Aufstand alter Männer
- 1985 Tod eines Handlungsreisenden
- 1983 Eine Liebe von Swann
- 1982 Krieg und Frieden
- 1981 Die Fälschung
- 1980 Der Kandidat
- 1979 Die Blechtrommel
- 1978 Deutschland im Herbst
- 1977 Nur zum Spaß, nur zum Spiel
- 1976 Der Fangschuss
- 1975 Die verlorene Ehre der...
- 1974 Übernachtung in Tirol
- 1974 Georginas Gründe
- 1972 Strohfeuer
- 1971 Die Moral der Ruth Halbfass
- 1970 Der plötzliche Reichtum der...
- 1969 Baal
- 1969 Michael Kohlhaas - der Rebell
- 1967 Der Paukenspieler
- 1966 Mord und Totschlag
- 1965 Der junge Törless
- 1960 Wen kümmert's
Opern
Strohfeuer
Der Film beginnt mit einer Scheidung, die wie eine Befreiung aussieht und endet mit einer Hochzeit, die eine Kapitulation bedeutet.
Elisabeth glaubt, nach ihrer Flucht aus der Ehe frei zu sein. Bis jetzt war sie "Nur-Hausfrau", an Haus und Familie gebunden, isoliert und abhängig. An ihre neuerworbene Freiheit knüpft sie die mannigfaltigsten Erwartungen: sie will selbständig sein, lieber sich selbst bestimmen, andere Menschen außerhalb ihres geschlossenen privaten Bereichs kennen lernen, eine "sinnvolle" Tätigkeit ausüben, die "ihre ganze Persönlichkeit fordert" . Sie glaubt, von nun an ihr Leben nach ihrem ganz persönlichen Ausdruck und Willen gestalten zu können.
Dazu geht sie zunächst auf Arbeitssuche. Aber eine Arbeit, die ihre Erwartungen erfüllen könnte, gibt es nicht. Nicht in den vorgegebenen Berufsmustern, nicht für eine Frau von beinahe 30. Ihre Ausbildung vor ihrer Ehe war nur unzureichend, und das wenige, was sie gelernt hat, (Fremdsprachen und Schreibmaschine) hat sie in der Zwischenzeit fast vergessen. Also ist sie auf Jobs angewiesen. Zumal sie einen vierjährigen Sohn hat, den sie liebt und aufziehen will. So arbeitet sie nacheinander als Messehostess und als Verkäuferin in einem Pelzgeschäft. Schließlich findet sie - über einen ihr wohlgesonnenen Mann -eine Stelle in einer Kunstgalerie. Die Arbeit gefällt ihr, sie führt sie sogar bis nach Italien. Aber bald erkennt sie, dass ihre neue Tätigkeit mehr mit Handel als mit Kunst zu tun hat, dass sie außerdem für ihren Chef nur "Freiwild" ist. Sie geht wieder und endet als Tippse in einem Großraumbüro.
Die Befreiung, die ihr die Arbeit nicht bietet, sucht sie nun in der Verwirklichung eines Kindertraumes: sie will tanzen und singen. Mit anderen jüngeren Mädchen, die tagsüber im Büro arbeiten, dabei von Fred Astaire und Ginger Rogers träumen und "wenn sie gut genug sind, nach Amerika gehen wollen", lernt Elisabeth Stepptanz. Gleichzeitig lernt sie singen.
Im Kampf um das Sorgerecht für ihr Kind werden ihr alle Emanzipationsversuche zum Nachteil ausgelegt und gegen sie benutzt. Mit "Mutterpflichten und Mutterliebe“ sind sie in den Augen unserer Gesellschaft nicht vereinbar. Sie muss fürchten, dass das Kind ihr abgesprochen wird.
Am Ende nimmt sie in einem Moment völliger Verzweiflung das Heiratsangebot des ersten Mannes, dem sie nach ihrer Scheidung begegnet war an und flüchtet sich zurück in die Obhut des Mannes und der Familie.
"Ihr Emanzipationswille, ihre Empörung gegen die bestehenden Zustande waren eben nur ein Strohfeuer", hält die Anwältin Elisabeth vor.
Die Nur-Gleichberechtigung lehnt Elisabeth ab. Sie ist sich ihrer Situation bewusst geworden, ihre Empörung ist kein "Strohfeuer" - es wird weiterbrennen, auch in der neuen Ehe.
Länge 101 Min. Format 35mm Farbe
Uraufführung September 1972 IFF Venedig, Deutsche Uraufführung 1.11.1972 München
Preise: Deutscher Kritikerpreis 1972, IFF Chicago 1973 (Golden Hugo), Brüssel 1973 (Prix Femina), IFF Karlovy Vary 1974 (Preis der Werktätigen)



