Filme und Werk

Volker Schlöndorffs Domäne ist verfilmte Literatur. Zumindest konnte er mit diesen seine größten Erfolge verbuchen. Max Frisch, Marcel Proust, Robert Musil, Günter GrassHeinrich Böll und Michel Tournier sind die Autoren, deren Erzählungen oft die Grundlage für Schlöndorffs Filme liefern. 

Zurück in Deutschland erhält Schlöndorff 1964 für sein erstes Drehbuch Der junge Törless, welches eine Adaption von Robert Musils »Die Verwirrungen des Zöglings Törleß« ist, eine Förderprämie. 1965 wird Der junge Törless mit Matthieu Carrière verfilmt und in Cannes bei den Internationalen Filmfestspielen uraufgeführt. Der Schwarzweiß-Film wird zum ersten internationalen Erfolg des jungen deutschen Films und mehrfach ausgezeichnet.

Mit dem Film Mord und Totschlag folgt 1966 der erste Farbfilm des jungen deutschen Filmemachers. Hier wird eine Geschichte über Naivität erzählt. Eine junge Frau erschießt ihren Liebhaber und versteckt anschließend dessen Leiche. Auch dieser Film wird mehrfach ausgezeichnet. Eine interessante Anekdote hierzu. Keith Richards von den Rolling Stones spannte damals die Hauptdarstellerin Anita Pallenberg dem Filmkomponisten Brian Jones aus. Das Dreiecksverhältnis sorgte bei den Filmfestspielen in Cannes für Aufregung. 

Es folgt die internationale Großproduktion Michael Kohlhaas - Der Rebell im Jahre 1969 in welcher Keith Richards, neben Anita Pallenberg, einen Gastauftritt hat. Hauptdarsteller ist damals David Warner als Michael Kohlhaas.

1969 gründet Schlöndorff zusammen mit Peter Fleischmann in München die eigene Produktionsfirma Hallelujah-Film GmbH. Fünf Jahre später, 1974, wird er zudem neben Reinhard Hauff Mehrheitsgesellschafter der Bioskop-Film GmbH, die seitdem unter der Leitung von Eberhard Junkersdorf Schlöndorffs Produktionen betreut.

Bis Mitte der 1970er Jahre behandeln Schlöndorffs Filme oft das Thema Rebellion und beziehen sich somit oft auf die aktuelle gesellschaftliche Situation. Die Filme beginnen meist mit einer Demütigung und enden mit einer Revolte. So auch der Film Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach 1970. Hessische Bauern überfallen nach einem Gerichtsprotokoll aus dem Jahre 1825 einen Geldtransporter, um aus ihrem Elend entkommen zu können. Doch ihr »Reichtum« macht sie verdächtig.

In den 70er Jahren beschäftigt sich Schlöndorff mehrfach mit dem Motiv der weiblichen Emanzipation. Es entstehen Filme wie Die Moral der Ruth Halbfass (1971) mit Senta Berger, Strohfeuer (1972) mit Margarethe von Trotta, Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975) oder auch Der Fangschuss (1976) nach der Vorlage von Marguerite Yourcenar ebenfalls mit Margarethe von Trotta und Matthias Habich. Diese feministischen Einschläge sind wohl auf den Einfluss seiner Hauptdarstellerin und Mitarbeiterin Margarethe von Trotta zurückzuführen, die zum damaligen Zeitpunkt auch seine Frau ist.

Die Literaturverfilmung der Erzählung von Heinrich Böll Die verlorene Ehre der Katharina Blum mit Angela Winkler in der Hauptrolle wird diesmal nicht nur zum Erfolg bei den Kritikern, sondern auch an den Kinokassen. Zudem erfährt er international starke Beachtung und erhält diverse Preise. Allerdings wurde Schlöndorff durch die Thematik des Films von der Springer-Presse sowie der CDU massiv attackiert. Grund waren die im Film dargestellten Methoden der Boulevardpresse, der Polizei im Kampf gegen die linke Szene und RAF-Terroristen sowie Schlöndorffs Engagement im Rechtshilfefonds für die Verteidigung politischer Gefangener. 

Das Thema lässt ihn allerdings nicht los. 1978 ist Schlöndorff einer der Initiatoren und Co-Produzent des Omnibusfilms Deutschland im Herbst, der sich mit der Situation in Deutschland zur Zeit des RAF-Terrorismus befasst. 1980 und 1982 folgen daraufhin zwei weitere Filme, die sich mit hochpolitischen Themen auseinander setzen – Der Kandidat und Krieg und Frieden.

1979 gelingt Schlöndorff bis heute wohl sein größter Erfolg bei Kritikern und Publikum. Mit Die Blechtrommel verfilmt er nach der Vorlage von Günter Grass die Geschichte des jungen Oskar (gespielt von David Bennent), der nach einem Sturz auf der Kellertreppe aus Protest gegen die Welt der Erwachsenen beschließt, sein Wachstum einzustellen. Die Blechtrommel wird dabei sein ständiger Begleiter und Mittel zum Ausdruck seines Protestes. Der Film wird 1979 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und erhält den Oscar für den Besten ausländischen Film. Diese Auszeichnung markiert einen ersten Höhepunkt der internationalen Anerkennung des neuen deutschen Films.

Nach diesem Erfolg beginnt der Regisseur Schlöndorff durch die Welt zu reisen. 1981 dreht er einen seiner besten Filme. Die Fälschung nach dem Roman von Nicolas Born handelt von einem Kriegsberichterstatter (gespielt von Bruno Ganz) im vom Bürgerkrieg erschütterten Libanon. Diese Adaption dreht er zu großen Teilen in Beirut.

Es folgt die kunstvolle Verfilmung Eine Liebe von Swan 1983. Diese französisch-deutsche Co-Produktion nach einem Kapitel aus Marcel Prousts Roman »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« wird mit großem Aufwand und internationaler Starbesetzung wie Jeremy Irons, Ornella Muti, Alain Delon und Fanny Ardant in Paris gedreht.

Anschließend führt es den Regisseur nach New York in die Vereinigten Staaten. Hier verfilmt er 1985 mit Dustin Hoffman und John Malkovich Arthur Miller’s Bühnenstück Tod eines Handlungsreisenden als Fernsehfilm. Interessant zu wissen – Arthur Miller war der letzte von drei Ehemännern von DEM Sexsymbol des 20. Jahrhunderts Marilyn Monroe

Da Schlöndorff zu dieser Zeit für mehrere Jahre seinen Wohnsitz in den USA genommen hat, entstehen weitere deutsch-amerikanische Co-Produktionen mit prominenter internationaler Besetzung wie Ein Aufstand alter Männer (1987, TV) nach dem Roman von Ernest J. Gaines und mit Louis Gossett Jr. sowie Holly Hunter oder auch Die Geschichte der Dienerin (1989) mit Natasha Richardson.

Beim Fall der Mauer beschließt Schlöndorff von New York nach Deutschland zurückzukehren. Dort dreht er die Max-Frisch-Adaption Homo Faber (1991), welche in Deutschland ein Erfolg wird, jedoch in den USA heftige Kritiken verkraften muss. Hauptdarsteller waren Sam Shepard und Julie Delpy.

1992 realisiert Schlöndorff zusammen mit dem Filmkritiker Hellmuth Karasek die TV-Dokumentation Billy, how did you do it?. Hier wird der legendäre Filmemacher Billy Wilder interviewt und gewährt Einblicke in seine Arbeit als einer der großen Hollywood-Regisseure.

Danach wird es vier Jahre still um Schlöndorff. Er nutzt die Zeit zur Niederschrift seiner Memoiren (»Licht, Schatten und Bewegung«) und kümmert sich um die Umwandlung des traditionsreichen Studiogeländes der UFA/DEFA Studios in Babelsberg in eine moderne Medienstadt.

1996 dreht Schlöndorff eine weitere Literaturverfilmung. Die Michel Tournier-Adaption Der Unhold mit John Malkovich erringt allerdings nicht den erhofften Erfolg. In den USA erhält er zwar hervorragende Kritiken, in Deutschland ist er allerdings umstritten und kontrovers diskutiert.

Zurück in den USA dreht Schlöndorff 1998 den Neo-Noir Palmetto, welcher mit den Schauspielern Woody Harrelson und Elisabeth Shue an die Gangster- und Privatdetektivfilme der 30er und 40er Jahre erinnert.

Gleichzeitig entsteht zusammen mit Wolfgang Kohlhaase seit 1993 der Film Die Stille nach dem Schuss. Hier wendet sich Schlöndorff wieder einem deutschen Thema zu. Es geht um die Biografie der ehemaligen RAF-Terroristin Inge Viett. Der Film wird im Wettbewerb der Berlinale 2000 uraufgeführt und bringt für Bibiana Beglau und Nadja Uhl den Silbernen Bären als beste Darstellerinnen.

Das 2004 gedrehte Holocaust-Drama Der neunte Tag mit Ulrich Matthes und August Diehl erntet ebenfalls fast durchweg gute Kritiken und erhält mehrere Preise.

Zurück auf der Bühne inszenierte er 2005 am Renaissance Theater in Berlin mit Mario Adorf und Justus von Dohnanyi Enigma, ein Stück des Bestseller Autors Eric-Emmanuel Schmitt

Es folgt die Lebensgeschichte der Mitbegründerin der polnischen Arbeiterbewegung Solidarnocz, Anna Walentynowicz in Strajk - Die Heldin von Danzig (2005). Hier war der polnische Regisseur Andrzej Wajda ein wichtiger Ratgeber. In der Hauptrolle ist Katharina Thalbach zu sehen.

2007 zieht es Schlöndorff in die Steppe Kasachstans, wo das poetische Drama Ulzhan - Das vergessene Licht entsteht. Es handelt von einer seltsamen Beziehung zwischen einer Nomadin und einem lebensmüden Europäer, gespielt von Ayanat Ksenbai und Philippe Torreton.

 

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